36 Yogabeine – Reise nach Indien

Mit dem Zähmen eines Sacks Flöhe hat die Yogalehrerin meines Vertrauens eine Stunde Kinderyoga, die sie einmal gab, verglichen.
Letzten Dienstag fand an der Schule des großen Kleinen ein Tag mit Workshops für die Kinder statt, von Eltern organisiert. Dreimal darf geraten werden, was ich angeboten habe 😉

Yogash citta-vritti-nirodhah (Yogasutra, Merksatz I.2)
Fredl Fesls Interpretation: 36 Yogabeine hüpfen hin und hüpfen her, denn die Matte ist begrenzt und das macht’s besonders schwer.

Ich nahm die Kinder auf eine Yogareise nach Indien mit. Meine Vorbereitung war diesmal um Längen besser als vor knapp einem Jahr beim Zelten in Rabenstein. Es ist unglaublich, was ich in dem halben Jahr meiner Yogalehrausbildung schon alles mitgenommen habe. Aufgeregt war ich trotzdem, um Längen entfernt vom ruhigen Geist, der frei ist von Gedanken, die wie Äffchen darin herumspringen: Was, wenn ich die Reihenfolge der Asanas verhaue? Rechts und links vertausche? Bestimmt überziehe ich oder vergeige den Sonnengruß. Was, wenn ich aufs falsche Lied bei Shavasana klicke?

Zugegeben, ich hab mal rechts und links verwechselt. Dann hab ich die kleinen Yogis halt gespiegelt. Ein Junge pustete sich Kurkuma ins Auge beim Gewürzmarkt (Feuer, Wasser, Zimt), glücklicherweise war eine Lehrerin dabei, die gleich Abhilfe schaffte, indem sie das Auge mit ihm zusammen auswusch. Beim ersten Durchgang vergaß ich ein Asana, beim dritten verhaspelte ich mich beim Sonnengruß. Der zweite Durchgang war tatsächlich der berüchtigte Sack Flöhe, den ich aber bei Shavasana einigermaßen zur Ruhe gebracht hatte – ohne mich aus der Ruhe bringen zu lassen, wie eine Lehrerin später meinte.

Die vielen kleinen Fehler machen es lebendig. Perfekt hab ich es mir im Geiste vorgestellt, aber sobald die Yogastunde zu leben begann, verlor sie ihre Perfektion. Und das ist okay so. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen hat es Spaß gemacht. Und soo schlimm war’s auch nicht, es hat doch im Großen und Ganzen geklappt. Ich hab nicht überzogen und die Lieder waren an Ort und Stelle. Ein Junge meinte zu mir, er wäre richtig entspannt gewesen. Ein anderer ist extra nochmal gekommen, um mir zu sagen, es habe ihm gefallen.

Ein Mädchen aus dem Sack Flöhe, das aufgedreht war bis fast zum Schluss, hörte mitten in Shavasana auf zu kichern und bekam einen nachdenklichen Zug um den Mund herum. Und ich Gänsehaut.
Namasté, ihr Lieben. Ich mag Kinderyoga, ich mag Flöhezähmen.

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