Winter zwischen Anspannung und Entspannung

Dieser Winter war wie eine gut dosierte, abwechslungsreiche Yogastunde – der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung fast auf den Punkt genau. Wenn die Muskeln zittern und du denkst: “Ist mir vollkommen egal, dass das gut ist und sie arbeiten, wenn sie zittern! Gleich, gleich reißt mein gespannter Bogen, hol mich hier raus!”, kommt die Haltung des Kindes.

Die Momente der Anspannung des Winters waren Momente hochgezogener Schultern, als könne man dadurch die schneidende Kälte aus dem Körper vertreiben. Ein Abend auf dem Weihnachtsmarkt mit einem heißen Glühwein, an dem sich die Hände, die Tasse umschlingend, wärmten. Der aber schon nach dem dritten Schluck abzukühlen begann. Und ich trinke manchmal schneller, als ich in einer Atemübung atme. Doch es gab auch Momente der Entspannung im warmen Licht des Weihnachtsbaums, lesend, vorlesend, vorlesen lassend. Oder meditierend. So in etwa. Yoga bedeutete dieser Tage Entspannung für mich; Eislaufen Anspannung, abgesehen von den letzten paar Runden, in denen der große Kleine mich nicht mehr ganz so oft überholte. Schneehöhle bauen: Entspannung. Mir wurde warm dabei bis in die Fingerspitzen. Fahrrad fahren, während die Handschuhe wohlig in der warmen Wohnung lagen: Anspannung. Brennende Kälte an den Fingern, die jene der Nasenspitze noch überstrahlte.

Ich mag den Winter. Ohne ihn wüsste man die Wärme des Frühlings und Sommers nicht zu schätzen. Ich mag das geräuschlose Sinken schwer anmutender Schneeflocken, ich mag knackende Eispfützen und Schneeballschlacht-Virabhadrasana-Kampfgeschrei. Aber ich mag ebenso den Wechsel der Jahreszeiten und freue mich über den Frühling, der nun Einzug hält. Heute spürte ich ihn pieksend unter meinen Fußsohlen, als ich, das erste Mal in diesem Jahr in Barfußschuhen unterwegs, über übriggebliebenen Streusand auf dem Gehweg spazierte.

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