Am heutigen Vormittag genieße ich die Ruhe vorm Sturm eines umfangreichen Eilauftrags. Später, am frühen Nachmittag, geht’s los und ragt bis in die Mitte der kommenden Woche hinein. Die Jungs haben wir auf die Großeltern verteilt. Der kleine Kleine bleibt die ganze Woche. Stolz wie Vrikshasana, verabschiedete er sich gestern von seinen Kindergarten-Buddys: “Nächste Woche bin ich bei der Omi!”
Der große Kleine kommt Sonntagabend wieder, denn die Schule ruft. Mit der Oma möchte er viel lesen, um Perlen für seine Leseraupe zu sammeln. Und hoffentlich kommen die kleinen Lämmer dieses Wochenende zur Welt!
Die bevorstehenden Tage des beruflichen Stresses haben mich dazu gebracht, über Möglichkeiten des Umgangs mit dem Stress nachzudenken, wie schafft man Inseln der Ruhe, Augen der Windstille im Sturm?
Augen im Sturm – Pausen
Eine halbe Stunde Meditation ist absolut notwendig, außer, wenn man sehr beschäftigt ist, dann braucht man eine ganze Stunde. (Franz von Sales)
Aber mal Hand aufs Herz oder, für Yogis, Hände in Anjali Mudra vorm Herzen zusammen, wer nimmt sich die Zeit, wenn es einem daran mangelt? Und dennoch ist es wichtig, auf Pausen zu achten, und mögen sie auch noch so kurz sein. Immer, wenn ich zu Pausen gezwungen war oder, kommt auch mal vor, freiwillig eine Pause einschob, war ich danach konzentrierter als davor, es lief flüssiger. Ausnahmslos.
Anregende Yogapause
Wenn du etwas müde bist, die Konzentration nachlässt oder du einfach keine Lust mehr hast, eine mühselige, sperrige Aufgabe zu Ende zu bringen, könnte eine mit Yoga gefüllte Pause Abhilfe schaffen. Halte dich dabei nicht mit komplizierten Asana-Kombinationen auf, sondern wähle eine Abfolge, die du gut beherrschst und die es dir erlaubt, deine Gedanken frei fließen zu lassen. Beispiele dafür sind der Sonnengruß oder die 5 Tibeter. Die 5 Tibeter sind für mich, am Morgen ausgeführt, belebend wie eine Tasse Kaffee.
Atemübungen, die anregend und energetisierend wirken, sind die Feueratmung oder die Wechselatmung.
Entspannende Yogapause
Wenn das Gedankenkarussell dreht und dreht und dreht und du dir denkst: ‘Wann kann ich endlich aussteigen?’, wenn das Metronom deines Pulses auf allegro eingestellt ist und kalte Schauer über deinen Rücken laufen, weil du fürchtest, die Aufgaben nicht zu schaffen, kann eine Pause mit entspannenden Yin-Yogaübungen helfen. Wenn du denkst: ‘Das kann ich mir nicht leisten’, entgegne: “Doch.” Und komm deinem inneren Schweinehund entgegen, indem du drei Asanas wählst, statt fünf, und jeweils zwei Minuten, statt drei, darin verweilst. Dann kommt dir dein Schweinehund vielleicht auch einen Schritt entgegen. Oder einen halben.
Eine beruhigende Haltung ist die Stellung des Kindes.
Der unterstützte Fisch ist eine brustöffnende Yogaübung und wirkt Verspannungen in Schultern und Nacken entgegen.
Eine Ausgleichshaltung für sitzende Tätigkeiten bildet die unterstützte Schulterbrücke.
Bei stehenden Tätigkeiten wirkt die Venenpumpe ausgleichend. Sie kann auch im Sitzen ausgeführt werden.
Eine beruhigende Atemübung stellt das Bienensummen dar. Die Quadratatmung vermag es, das Gedankenkarussell zu stoppen, denn dabei bist du mit Zählen beschäftigt.
Konzentration geht durch den Magen – Mittagspause
Die Mittagspause schwänzen, das mache ich besonders gern, wenn ich allein im Büro bin, einfach durcharbeiten, aber immer gegen zwei am Nachmittag wird der Hunger unerträglich und dann ist auch nix mehr mit Workflow, sondern eher Workstumble, Holpern und Stolpern.
Glücklicherweise gibt es eine Kantine in der Nähe, nur eine Handvoll Schritte von unserem Büro entfernt, aber wenn ich viel zu tun habe, sind mir auch diese wenigen Schritte zu viel. Ein Trugschuss. Denn ein leerer Magen arbeitet nicht gern mit, sagt nicht: “Ich helfe euch mal, indem ich nicht im Weg stehe”, im Gegenteil.
Deswegen waren wir dieses Mal so clever, einen großen Topf Chili vorzukochen – Bohnen für Eiweiß, darüber freut sich das Gehirn, Möhren und Süßkartoffeln für die Sehkraft und das Immunsystem, Mais und Kartoffeln für schnell verfügbare Energie durch Kohlenhydrate. Und eine Suppe lässt sich fix aufwärmen. Ich fürchte nur, am Montag wird es uns zum Hals raushängen, der Topf ist wirklich riesig.
Gesunde und konzentrationsfördernde Snacks zwischendurch sind Nüsse aller Art, Obst, Joghurt, Gemüsesticks oder auch mal ein Stück dunkle Schokolade.
Kaffee- und Teepause
Nimm dir die Zeit, in die Kaffeeküche zu gehen, um dir eine Tasse Kaffee einzuschenken oder einen Tee aufzubrühen.

Die Tasse mit den Händen zu umschließen, um die Wärme an den Handinnenflächen zu spüren, wirkt beruhigend. Genieße den Moment kurz, während du die Augen in die Weite oder nach innen richtest, bevor du dich wieder deiner Arbeit zuwendest.
Falls dich jemand schief anschaut ob der Anzahl und Länge deiner Pausen, du machst eh Überstunden. Dann sollten auch Überpausen drin sein.
Die lange Pause, der Schlaf
Im Schlaf regenerieren wir und sammeln Energie für die Aufgaben. Und wir finden Ruhe, in der Lösungen für scheinbar unlösbare Probleme nach oben blubbern und am nächsten Morgen auf der Oberfläche des Bewusstseins schwimmen.
Wenn du müde arbeitest, machst du mehr Fehler und kommst langsamer voran. Jede Stunde Schlaf ist eine Investition in die Zeit, die dir am nächsten Tag zur Verfügung steht, denn du bekommst sie mit Zinsen zurück.
Wenn sich der Schlaf nicht einstellen will, helfen lockernde Yin-Yoga-Übungen. Die Yinyoga-Lehrerin meines Vertrauens hat Videos mit Yogaroutinen am Abend im Repertoire. Auch Yoga Nidra kann helfen, Ruhe zu finden. Yoga Nidra wird nachgesagt, 30 Minuten Praxis entsprächen der Erholung von zwei bis vier Stunden Schlaf. Das kann und sollte man sicher nicht ewig hochskalieren.
Hin- und Rückweg als Ritual…
…für Fokus und zum Runterkommen.
Wenn es die Umstände zulassen, lass in Zeiten des Stresses das Auto in der Garage oder auf dem Parkplatz stehen und gehe zu Fuß zur Arbeit, fahre mit dem Fahrrad oder Bus und Bahn. (Es sei denn, du bist Lokführer. Hm.) So bist du nicht gezwungen, deine komplette Aufmerksamkeit auf den Straßenverkehr zu richten, sondern kannst die Gedanken schweifen lassen. Ausnahme: Fahrrad. Damit bist du Teil des Straßenverkehrs, aber du bist nicht so schnell unterwegs, die Bewegung wirkt entspannend und vielleicht kannst du einen Weg wählen, der nicht zu stark befahren ist, durch den Stadtpark radeln oder Nebenstraßen entlangschlängeln.
Nutze den Hinweg, um deinen Geist auf die Arbeit zu fokussieren, und den Rückweg zur gedanklichen Verarbeitung. Das stellt sich von ganz allein ein, wenn du den Kopf machen lässt.
Home-Officers, wie ich es bin, können ein Ritual vor und nach der Arbeit etablieren, ausgiebig frühstücken, eine Runde laufen, eine kurze Yogaeinheit praktizieren, Wäsche waschen, Blumen gießen, bügeln…
Work-Lifehacks
Aromatherapie kann helfen zu fokussieren mit Düften wie Rosmarin, Zitrusaromen oder Tanne. Beruhigend und erdend wirken Düfte wie Lavendel, Weihrauch, Patchouli oder Zimtöl. Eine gute Kombi bilden Zimtöl mit seiner beruhigenden Wirkung und Klarheit schaffendes Orangenöl. Aber Achtung, manche ätherische Öle können die Augen reizen. Dann lieber vorsichtiger dosieren oder ganz weglassen.
Versuche, andere Stressquellen zu vermeiden. Koche schon vor, wenn das geht, such dir Unterstützung von Familie und Freunden für die Kinderbetreuung, sorge dafür, dass der Tank voll und die Fahrradreifen aufgepumpt sind.
Belohne dich. Ich zum Beispiel freue mich auf mein mittwöchiges Yoga und auf den Buß- und Bettag die Woche drauf, an dem mich ein Tag voller Yoga erwartet im Yogazentrum Chemnitz. Und ich hab mir einen schokoladigen Yogi-Tee besorgt.
So, nun habe ich recht neunmalklug dahergeschrieben. Mal schauen, wie viel davon ich in den nächsten Tagen umsetze. Wetten werden angenommen.

Schreibe einen Kommentar