Im Sommer macht mir der Weg zum Yogastudio fast immer Spaß. Da kann ich beim Treten in die Pedale meines Fahrrads schon erahnen, wo in den Beinen oder Hüften Spannungen sitzen. Und auf dem Rückweg fühle ich mich wie eine gutgeölte Maschine beim Radeln, gedehnt, gekräftigt, gelockert und entspannt.
Doch wenn es kalt ist oder regnet, würde ich am liebsten das Fahrrad stehen lassen und zu Hause bleiben. Mein erstes Asana an winterlichen Mittwochabenden stellt Adho Mukha Antar Sukarashvanasana dar. Zusammengesetzt aus den Sanskrit-Begriffen:
Adho (nach unten)
Mukha (Gesicht, Vorderseite)
Antar (innen, innerhalb)
Sukara (Schwein)
Shvana (Hund)
Asana (Haltung)
Aber meist gelingt es mir, meinen herabschauenden inneren Schweinehund zu überwinden (wie im Sommer beim Beginnen der Kinderyoga-Ausbildung), das Fahrrad aus dem Keller zu hieven und loszuradeln. Es fühlt sich dann an wie Eisbaden light in Winterluft. Die Kälte beißt in meine Handrücken und die Ohren – auf Mütze und Handschuhe achte ich nur bei den Kindern. Der Weg ist gerade kurz genug, um es auszuhalten. Noch nie habe ich die Überwindung meines Adho Mukha Antar Sukarashvanasana bereut, und noch nie hat er es mir krummgenommen oder den herabschauenden Hund verbellt. Denn irgendwie schafft es Tina jedes Mal aufs Neue, uns im genau richtigen Maße in anstrengenden Haltungen verharren zu lassen, so dass der innere Schweinehund nicht winselt. Und noch ein bisschen darüber hinaus, um ihn sanft ein winziges Stück weiter weg zu schieben.

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