
Angespitzt durch das erste Seminar meiner Ausbildung zur Yogalehrerin – Kundalini Yoga – im Yogazentrum Chemnitz und die weiterführende Beschäftigung mit dem Thema beim Schreiben meines Berichts darüber, verspürte ich den Impuls, Kundalini-Yoga zu praktizieren, um das Ganze rund zu machen. Wenigstens reinzuschnuppern. Das ist der spirituelle Grund. Der profane Grund ist schlicht, dass meine linken Adduktoren sauer auf mich sind. Das heißt, die innere Seite meines Oberschenkels schmerzt, wenn ich sie dehne. Und es gibt Kriyas im Kundalini-Yoga, die die Beine weitestgehend in Ruhe lassen.
Beim Mittwochsyoga hatte ich meine Beine vielleicht ein wenig zu weit aufgegrätscht für Prasarita Padottanasana. Am Tag danach, an dem sich mir ein Zeitfenster für Ashtanga-Yoga öffnete, spürte ich jedenfalls ein leichtes Ziehen in allen Variationen der gegrätschten stehenden Vorbeuge, das sich später ebenso bei den sitzenden Posen, wenn die Innenseite der linken Oberschenkelmuskulatur angesprochen wurde, bemerkbar machte. Und schließlich beim umgekehrten Brett, als die betreffende Muskelpartie auch noch kräftemäßig mit anpacken musste, meinte die Innenseite meines linken Oberschenkels, ihren Unmut durch einen stärker ziehenden Schmerz kundtun zu müssen. Oder in anderen Worten: “Mach doch deinen Dreck alleene!”
Das machte ich gestern, indem ich gar kein Yoga praktizierte. Ashtanga kommt fürs Erste nicht in Frage, bis sich mein linker Oberschenkel erholt hat. Bei einigen der 5 Tibeter müssen die Oberschenkel kräftig mitarbeiten, also fallen sie auch weg. Yin Yoga für Schultern, Rücken und Arme mag gehen, aber habe ich mir noch keine Sequenz herausgesucht.
Gerade, wenn man sich mal sagt: “Heute schlafe ich aus, das gönne ich mir”, ist man schon halb sechs wach. Da ich mir eh vorgenommen hatte, mal eine Kundalini-Kriya auszuprobieren, setzte ich das heute Morgen direkt um. Kriyas, so heißen die Übungsreihen im Kundalini-Yoga, deren Dauer man zwar variieren kann, aber nicht die Reihenfolge der Übungen.
Der Blick durchs Fenster offenbarte eine in Nebel gehüllte Stadt. Ich schaltete den Lichterbogen an und suchte eine Kundalini-Kriya in den Weiten des World Wide Web heraus. Ungeachtet des Nebels, entschied ich mich für die Surya Kriya zur Aktivierung der inneren Sonnenenergie, angesagt von Tasty Katy. Die meisten Übungen werden in dieser Kriya im Schneidersitz ausgeführt. So hatten meine Oberschenkel ihre Ruhe. Morgen werde ich das nochmal versuchen. Und übermorgen vielleicht auch. Es empfiehlt sich, ein- und dieselbe Kundalini-Kriya an 40 aufeinanderfolgenden Tagen durchzuführen. Diese Zeitspanne ist der erste Meilenstein auf dem Weg, alte Muster zu durchbrechen, damit eine Routine zur Gewohnheit wird. Mal sehen, vielleicht halte ich 40 Tage durch. In 40 Tagen, Mitte Januar, ist die Zeit für das nächste Ausbildungsseminar: Medizin und Anatomie Modul I. Der nächste Schritt meiner Ausbildung zur Yogalehrerin.
Meine Kundalini-Schlange ließ sich durch die Praxis heute Morgen so wenig stören wie die Innenseite meines linken Oberschenkels.
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