Vor einem Jahr war Yoga für mich nicht mehr als der Ausgleich zu meinem Berufs- und Familienleben, mein wöchentlicher “Sport”. Im Frühsommer aber flaute der berufliche Stress ab, mehr als in den Sommern zuvor, so dass ich tagsüber ohne schlechtes Gewissen auch mal was anderes machen konnte. Dieses “was anderes” war, von Zeit zu Zeit die Yogamatte abseits vom Mittwochsyoga auszurollen. Im Internet sind viele Yogaklassen zu finden, von fünf Minuten bis zu einer Stunde oder länger. Anfangs suchte ich mir Videos, die Yogaroutinen für Jogger anbieten, manchmal auch etwas für den unteren Rücken oder den Bauch. Doch langsam kristallisierte der Gedanke aus, meine Yogapraxis in eine geführtere Richtung zu lenken. Gleichzeitig fand der Chemnitzer Parksommer statt und mit ihm fast jeden Tag ein Yogaangebot, wo man einfach hingehen konnte, die Yogamatte unter den Arm geklemmt. Dort erlebte ich die Stile verschiedener Yogalehrerinnen, bekam individuelle Impulse und Schlaglichter zur Ausrichtung bestimmter Asanas. Mein Wunsch, Yoga regelmäßiger zu praktizieren und auch selbst professioneller zu werden, wuchs.
Und nun bin ich hier, am letzten Tag dieses Jahres angekommen, der Weg meiner Ausbildung zur Yogalehrerin liegt vor mir. Mein erstes Seminar habe ich in der Tasche, den Bericht bereits abgegeben und konnte das erste Häkchen setzen. Den ersten Schritt des Wegs bin ich also schon gegangen. Es war ein Seminar zu Kundalini-Yoga, ein kurzer Abstecher auf einen Yogaweg, der eine andere Route nimmt als Hatha-Yoga nach Sigmund Feuerabendt. Feuerabendts Yoga-Stil wird den Großteil der Ausbildung prägen. Doch meine Praxis hat dieser kurze Abstecher bereichert. Noch immer bin ich dabei, nach und nach die 40 Surya Kriyas auf die Kette meiner Wochen zu fädeln. Manchmal war ich etwas spät dran, dann hörte ich schon die Geräusche des erwachenden Tages in unserer Wohnung. Einmal ging die Tür zum Wohnzimmer auf. Aber ein Stirnrunzeln half, die Tür schloss sich von außen wieder. Heute Morgen praktizierte ich Surya Kriya Nummer 19. Und damit wäre ich auch schon bei meiner…
…Yogaroutine im Dezember 2025
Die zweite Hälfte des Dezembers praktizierte ich Kundalini-Yoga, nachdem ich es bei einer Ashtanga-Session zuvor ein wenig übertrieben und mir eine leichte Muskelzerrung am linken Oberschenkel eingefangen hatte. Was soll ich sagen? Ich bin begeistert, und zwar von Anfang an. Meine morgendliche Kundalini-Praxis noch vorm Frühstück drängt mich zum Aufstehen, ich habe bis jetzt noch nicht ein einziges Mal geschwänzt. Die Surya Kriya ist eine perfekte Kombination zwischen anstrengend und entspannend. Die Bauchmuskeln werden gestärkt, der Rücken sowieso und auch die Beine kommen mal kurz zum Zuge – zerrungsfreundlich 😉 Es gibt eine Atemübung und eine Meditation. Tatsächlich fällt mir die Meditation am schwierigsten, weil ich bisher kaum Erfahrungen damit habe. Ich finde es anstrengend, mich darauf zu konzentrieren, mich auf nichts zu konzentrieren. Aber wie alles beginnt auch das mit dem ersten Schritt.
Die Auswirkungen meiner regelmäßigen Kundalini-Praxis bemerkt meine Familie im Positiven wie im Negativen. Meine innere Sonnenenergie, die die Kriya aktivieren soll, scheint tatsächlich geweckt zu werden, denn ich vergesse nach meiner Praxis regelmäßig, die Heizung in der Küche aufzudrehen. Zum Leidwesen der Jungs. Mir ist es nicht zu kalt, wenn ich die Müsli-Portionen – jeder hat seine eigenen Vorlieben – zusammenrühre. Positiv ist, ich habe nur noch selten morgenmufflige Züge an mir und kann die meiner drei weiteren Familienmitglieder besser akzeptieren und aushalten. Ich bin entspannter und, ich will es nicht beschreien, die Frühstücke auch. Wenn ich die 40 voll habe, suche ich mir eine neue Kriya heraus, sicher findet sich etwas Passendes für die Zeit ab Mitte Januar. Oder ich praktiziere die Surya Kriya noch länger, denn sie vertreibt die Winterkälte.
Jeder Yogaweg und Yogastil zu seiner Zeit. Was Kundalini-Yoga für den Morgen ist, ist Yin-Yoga für den Abend: Beruhigend und Spannungen lösend. Wenn ich Zeit habe oder sie mir nehme, Yin-Yoga am Abend zu praktizieren, kann ich meist gut schlafen.
Als meine Zerrung abgeklungen war und ich wieder Ashtanga und Co. praktizieren konnte, wagte ich mich an einem milden Tag bei Sonnenaufgang auf die Terrasse meines Elternhauses, um doch noch einmal Yoga im Freien zu praktizieren. Aufgewärmt durch die Surya Kriya, absolvierte ich eine knappe Viertelstunde Surya Namaskar A, den anfänglichen Sonnengruß der ersten Ashtanga-Reihe. So war’s im Spätsommer doch nicht das letzte Mal in diesem Jahr mit Yoga unter freiem Himmel. Sag niemals nie.

Was hat mir das Yoga-Jahr gebracht?
In den zehn Jahren, die ich Yoga praktiziere, mit kurzen Unterbrechungen durch die Schwangerschaften, tat mir die Praxis immer gut. Sie erhöhte meine Beweglichkeit, ein bisschen auch meine Kraft und vor allem die Entspannung tat mir gut, denn wir hatten beruflich auch sehr stressige Jahre. Es war eben mein Grundrauschen, das mir auch das Grundrauschen eines Ausgleichs verschaffte.
Seitdem ich fast täglich Yoga praktiziere, habe ich eine Art Turbo eingeschaltet. Ich fühle mich wesentlich ausgeglichener, Yoga hat einen Lotuseffekt auf meine Emotionen.
Außerdem bekomme ich nicht mehr so viele blaue Flecken. Wenn ich mich stoße, sei es noch so leicht, entsteht ein blauer Fleck. Eigentlich brauche ich einen Stuhl nur leicht zu streifen, schon habe ich einen. Manchmal merke ich es gar nicht. Aber im letzten Vierteljahr habe ich kaum blaue Flecken auf meiner Haut entdeckt, wie mir letztens bewusst wurde. Das liegt an meiner regelmäßigen Yogapraxis, dessen bin ich mir nahezu hundertprozentig sicher. Aber nicht, weil sich mein Gerinnungsfaktor verändert hätte oder mein Blut im Allgemeinen. Nein. Ich bin nur nicht mehr so ungeschickt wie früher. Denn mein Körpergefühl ist ausgeprägter, meine Muskeln kräftiger und gedehnter. Das alles mündet in mehr Geschick. Okay, beim Basteln nicht.
Mir wurde vor nicht allzu langer Zeit bescheinigt, eine bessere Körperhaltung zu haben. Sprich, ich ziehe die Schultern nicht mehr so stark nach vorn und halte meinen Rücken einigermaßen gerade. Das hat auch einen positiven Effekt auf mein Selbstbewusstsein. Keinen großen, aber wirkt wie eine Feder, die das Gewicht auf der Waagschale meines Selbstbewusstseins leicht erhöht und in manchen Situationen den Unterschied macht.
Die Regelmäßigkeit meiner Yogapraxis, sie durchzuhalten und immer wieder dahin zurückzukehren, erhöht auch meine Beharrlichkeit in anderen Lebensbereichen. Mein Vorsatz – nicht nur heute und nicht nur fürs nächste Jahr – ist, mir diese Beharrlichkeit zu erhalten und am Yoga dranzubleiben.
Liebe Yogis, Yoginis, potentielle Yogis und liebe Leser, ich wünsche euch einen guten Start in ein kräftigendes, entspannendes und aktivierendes Jahr 2026 voller Beharrlichkeit und natürlich auch einer Prise Glück, oder zweien.

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